11.10.2026, 19:47

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Fuchsjagd stoppen – Kantonsrat Luzern anschreiben

Der Kanton Luzern liefert das schärfste Argument gegen die Fuchsjagd – aus den eigenen Daten. Als einziger Schweizer Kanton erfasst Luzern den Gesundheitszustand der erlegten Füchse systematisch. Das Ergebnis aus dem Jagdjahr 2018/19: Von 2’217 getöteten Füchsen hatten nur 39 einen Krankheitsbefund. Über 98 Prozent der erschossenen Tiere waren gesund.

Trotzdem lehnte die RUEK des Luzerner Kantonsrats im Frühjahr 2026 die Petition zur wissenschaftlichen Überprüfung der Fuchsjagd ab – ohne eine einzige Studie zu zitieren, ohne den Petitionär anzuhören. Die einzige konsultierte Stelle war das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement, also genau jene Verwaltung, deren Status quo die Petition kritisiert.

Du kannst etwas tun, egal in welchem Kanton du lebst. Wende dich direkt an deinen Kantonsrat oder deine Nationalrätin. Das ist legal, wirksam und braucht nur wenig Zeit.

Wichtig: Verlass dich nicht allein auf die E-Mail. Wir haben aus mehreren Kantonen Rückmeldungen erhalten, dass Nachrichten zur Hobby-Jagd auf den Fuchs teils als unzustellbar zurückkommen. Ob das an fehlerhaften Adressen oder an einem gezielten Filter liegt, lässt sich von aussen nicht sagen. Setze deshalb besser auf mehrere Kanäle: Schreib einen Brief, ruf an oder such das persönliche Gespräch. Du kannst dich auch direkt an die Parteien und Fraktionen wenden – oft ist eine Nachricht ans Partei- oder Fraktionssekretariat wirksamer als an einzelne Ratsmitglieder. Ein Anruf oder ein Brief lässt sich nicht so leicht ausfiltern wie eine E-Mail und hinterlässt oft mehr Eindruck.

Musterbrief – kopiere diesen Text in dein Mailprogramm

Betreff: Fuchsjagd Luzern – bitte handeln Sie

Sehr geehrte Frau [Name] / Sehr geehrter Herr [Name]

Ich wende mich als Bürgerin / Bürger direkt an Sie, weil mich die Praxis der Fuchsjagd in unserem Kanton beschäftigt.

Luzern ist der einzige Kanton, der den Gesundheitszustand erlegter Füchse systematisch erfasst. Das Ergebnis ist eindeutig: Von 2’217 getöteten Füchsen hatten nur 39 einen Krankheitsbefund. Über 98 Prozent waren gesund. Damit kollabiert das Hauptargument für die Fuchsjagd – die Seuchenbekämpfung – auf Basis der eigenen kantonalen Daten.

Mehr als 30 Jahre wildbiologische Forschung bestätigen: Fuchsjagd reguliert Bestände nicht nachhaltig. Kompensationseffekte – höhere Geburtenraten, Zuwanderung – gleichen Abschüsse rasch wieder aus (Baker & Harris 2006; Rushton et al. 2006; Kämmerle et al. 2019). Selbst beim Fuchsbandwurm ist die Jagd kontraproduktiv: Eine französische Studie aus dem Raum Nancy (Comte et al. 2017) zeigt, dass intensive Bejagung die Prävalenz von 44 auf 55 Prozent erhöhte – weil Jungfüchse die Lücken füllen und eine höhere Parasitenlast tragen. In Luxemburg sank die Befallsrate nach dem Fuchsjagdverbot 2015 hingegen von rund 40 auf unter 10 Prozent.

Zudem sind Füchse natürliche Seuchenkämpfer: Sie regulieren Mäuse und Nager, die als Hauptreservoire für Borreliose-übertragende Zecken gelten. Wer Füchse schiesst, schwächt diesen Schutzwall. Die Tollwut wurde nicht durch Jagd besiegt, sondern durch Impfköder-Programme ab 1978.

Kanton Zug hat 2025 als einziger Kanton eine unabhängige Studie in Auftrag gegeben (SWILD, Mai 2026). Das Ergebnis bestätigt, was die Luzerner Daten längst zeigen: Fuchsjagd ist wissenschaftlich nicht begründbar. Luzern könnte denselben Weg einschlagen – mit den eigenen Zahlen als Ausgangspunkt.

Der Kanton Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus – und damit faktisch auch ohne Fuchsjagd: Nur staatliche Wildhüter dürfen dort eingreifen, in den letzten zwei Jahren ohne einen einzigen Regulierungsabschuss.

Ich bitte Sie, die RUEK-Empfehlung zur Kenntnisnahme abzulehnen und stattdessen eine ernsthafte, wissenschaftlich fundierte Überprüfung der Fuchsjagd zu fordern – mit Anhörung unabhängiger Fachpersonen und offener Datenlage.

Freundliche Grüsse
[Ihr Name]
[Ihr Wohnort]

Was im Kanton Luzern entschieden wurde

Die RUEK beantragte im Frühjahr 2026 Kenntnisnahme der Petition – ohne eine einzige wildbiologische Studie zu erwähnen, ohne den Petitionär anzuhören, und unter Verweis auf das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement als einzige konsultierte Stelle. Die IG Wild beim Wild richtete daraufhin einen offenen Brief an Kommissionspräsident Michael Kurmann und forderte den Rückzug des Berichts, eine Anhörung des Petitionärs und unabhängige Fachpersonen. Eine Antwort blieb aus.

Kanton Zug ging einen anderen Weg: Er gab 2025 bei SWILD eine unabhängige Studie in Auftrag. Luzern könnte dieselbe Entscheidung treffen – und hätte mit seinen eigenen Daten sogar den stärkeren Ausgangspunkt.

Was die Wissenschaft sagt

Bestandsregulation: Kompensationseffekte gleichen Abschüsse rasch aus. Selbst intensive, koordinierte Bejagung über grosse Flächen zeigt keinen nachhaltigen Effekt (Baker et al. 2002; Kämmerle et al. 2019; Rushton et al. 2006).

Tollwut: Nicht die Jagd, sondern Impfköder-Programme ab 1978 haben die Tollwut besiegt. Letale Methoden können Seuchen verstärken, weil bejagde Tiere mobiler werden.

Fuchsbandwurm: Intensive Bejagung erhöht die Prävalenz (Comte et al. 2017). In Luxemburg sank sie nach dem Verbot 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent.

Borreliose: Füchse regulieren Nager als Zecken-Reservoire. Studien zeigen, dass in Gebieten mit höherer Beutegreifer-Aktivität 10–20 Prozent weniger zeckentragende Nager auftreten (Hofmeester et al., Proc. Royal Soc. B).

Genf / Nationalpark: Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus, der Schweizerische Nationalpark seit 1914. Keine Bestandsexplosionen, keine schlechtere Krankheitslage.

Vollständige Studienübersicht: Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere

Der Zuger SWILD-Bericht

Der Kanton Zug hat als bisher einziger Schweizer Kanton auf die Fuchsjagd-Petition von Pascal Wolf mit einer echten wissenschaftlichen Studie reagiert. Die Direktion des Innern gab im Herbst 2025 bei SWILD – Stadtökologie, Wildtierforschung, Kommunikation – einen Fachbericht in Auftrag. Die zweite Version erschien im Mai 2026 und wurde der Jagdkommission am 16. Juni 2026 vorgelegt.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die aktuell praktizierte Fuchsjagd kann Bestände nicht nachhaltig regulieren, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist für den Schutz von Nutztieren gegenüber nicht-letalen Methoden unterlegen. Die Erfahrungen aus Genf (seit 1974) und Luxemburg (seit 2015) bestätigen: Wildtiermanagement funktioniert ohne Hobby-Jagd auf den Rotfuchs.

Die vollständige Studie ist öffentlich zugänglich: Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd

Wo du die Kontaktdaten findest

Die E-Mail-Adressen aller 120 Luzerner Kantonsräte findest du auf der offiziellen Mitgliederliste des Kantonsrats unter lu.ch/kr/mitglieder_und_organe/mitglieder, filterbar nach Wahlkreis und Fraktion. Dort steht auch eine vollständige Adressliste als Download bereit. Das E-Mail-Muster lautet einheitlich vorname.nachname@lu.ch.

Was im Kanton Luzern bisher passiert ist

📌 Nein zur Fuchsjagd: Luzerner Vorstoss entlarvt Faktenfreiheit
Der ursprüngliche Vorstoss des Luzerner Juristen Pascal Wolf, der das Jagdsystem grundsätzlich infrage stellt.

📌 Luzern und der Rotfuchs: Wenn Politik Fakten ignoriert
Die RUEK winkt die Petition ab – Luxemburg, Genf und der Tessin zeigen längst das Gegenteil.

📌 Fuchsjagd Luzern: 98 Prozent der erlegten Tiere gesund
Die kantonseigene Statistik widerlegt die Hauptbegründung für die Fuchsjagd – und die IG fordert den Rückzug des RUEK-Berichts. Enthält den offenen Brief an Kommissionspräsident Michael Kurmann.

📌 Luzerner RUEK an Wild beim Wild: «Tonfall mässigen» statt Antworten
Statt auf die wissenschaftlichen Belege einzugehen, mahnt die Kommission den Tonfall der Anfrage.

📌 RUEK Luzern blamiert sich mit den eigenen Zahlen
Die Kommission beantragt Kenntnisnahme ohne ernsthafte Prüfung – und widerspricht der eigenen Statistik.

🧠 Psychologie der Hobby-Jagd im Kanton Luzern
Warum an der Fuchsjagd festgehalten wird, obwohl die eigenen Zahlen dagegen sprechen.

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