13. September 2026, 19:51

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Fuchsjagd stoppen – Kantonsrat Zürich anschreiben

Im Kanton Zürich werden jedes Jahr rund 2000 Füchse erschossen, ohne dass der Kanton eine Abschussplanung führt. Die Nachtjagd auf den Fuchs ist erlaubt, dem Dachs gewährt der Kanton auf kantonaler Ebene nicht einmal eine Schonzeit. Als eine Bürgerin die Zürcher Fischerei- und Jagdverwaltung im Juni 2026 mit einer wissenschaftlichen Kostenstudie konfrontierte, tat deren Co-Leiter Reto Muggler die Quelle als «sicher nicht seriös» ab. Dabei handelt es sich um eine Peer-Review-Publikation im renommierten Fachjournal Biological Conservation.

Der Vorgang steht für ein Muster: Die Jagdbehörde verteidigt die Fuchsjagd mit einer unbelegten Kostenbehauptung, die schon 2017 aufgestellt und nie unabhängig überprüft wurde, und weicht der wissenschaftlichen Debatte aus. Genau deshalb lohnt es sich, den Kantonsrat einzuschalten.

Du kannst etwas tun, egal in welchem Kanton du lebst. Wende dich direkt an deinen Kantonsrat oder deine Nationalrätin. Das ist legal, wirksam und braucht nur wenig Zeit.

Wichtig: Verlass dich nicht allein auf die E-Mail. Wir haben aus mehreren Kantonen Rückmeldungen erhalten, dass Nachrichten zur Hobby-Jagd auf den Fuchs teils als unzustellbar zurückkommen. Ob das an fehlerhaften Adressen oder an einem gezielten Filter liegt, lässt sich von aussen nicht sagen. Setze deshalb besser auf mehrere Kanäle: Schreib einen Brief, ruf an oder such das persönliche Gespräch. Du kannst dich auch direkt an die Parteien und Fraktionen wenden – oft ist eine Nachricht ans Partei- oder Fraktionssekretariat wirksamer als an einzelne Ratsmitglieder. Ein Anruf oder ein Brief lässt sich nicht so leicht ausfiltern wie eine E-Mail und hinterlässt oft mehr Eindruck.

Musterbrief – kopiere diesen Text in dein Mailprogramm

Betreff: Fuchsjagd Zürich – bitte handeln Sie

Sehr geehrte Frau [Name] / Sehr geehrter Herr [Name]

Ich wende mich als Bürgerin / Bürger direkt an Sie, weil mich die Praxis der Fuchsjagd in unserem Kanton beschäftigt.

Im Kanton Zürich werden jedes Jahr rund 2000 Füchse erschossen, ohne dass eine Abschussplanung existiert. Die Nachtjagd auf den Fuchs ist erlaubt. Als eine Bürgerin die Fischerei- und Jagdverwaltung im Juni 2026 auf die ökonomische Bilanz der Fuchsjagd ansprach und dazu eine Peer-Review-Studie aus dem Fachjournal Biological Conservation anführte, tat der Co-Leiter der Verwaltung diese Quelle als «sicher nicht seriös» ab. Eine sachliche Auseinandersetzung mit der Evidenz sieht anders aus.

Die Behörde rechtfertigt die Hobby-Jagd zudem mit angeblichen Mehrkosten von über zehn Millionen Franken, die entstünden, wenn der Kanton die Aufgaben selbst übernehmen müsste. Diese Zahl stammt aus einem Bericht von 2017 und wurde nie unabhängig belegt. Sie wird seit Jahren wie ein Faktum wiederholt.

Die Wissenschaft ist eindeutig: Mehr als 30 Jahre wildbiologische Forschung zeigen keine nachhaltige Regulationswirkung durch die Fuchsjagd. Kompensationseffekte durch höhere Fortpflanzung und Zuwanderung gleichen Abschüsse rasch aus. Der Kanton Luzern, der als einziger den Gesundheitszustand erlegter Füchse erfasst, kam auf über 98 Prozent gesunde Tiere. Der Kanton Zug hat 2026 durch eine unabhängige Studie bestätigen lassen, dass die Fuchsjagd Bestände nicht reguliert und der Seuchenbekämpfung nicht dient, und fördert sie seither nicht mehr proaktiv. Der Kanton Genf kommt seit 1974 ganz ohne Hobby-Jagd aus.

Ich bitte Sie, sich im Kantonsrat für eine echte, wissenschaftlich fundierte Überprüfung der Fuchsjagd einzusetzen und darauf hinzuwirken, dass die Jagdbehörde ihre Kostenbehauptungen offenlegt und die unabhängige Evidenz ernst nimmt. Kein Bundesgesetz zwingt den Kanton zur Fuchsjagd. Der Kanton Zug hat gezeigt, dass der Handlungsspielraum genutzt werden kann.

Freundliche Grüsse
[Ihr Name]
[Ihr Wohnort]

Was in Zürich geschah

Im Juni 2026 richtete die Effretikerin Ursula Alayan-Ricklin eine Anfrage zur Fuchsjagd an die Zürcher Fischerei- und Jagdverwaltung. Deren Co-Leiter Reto Muggler wischte die von ihr zitierte wissenschaftliche Quelle mit den Worten beiseite, sie sei «sicher nicht seriös». Tatsächlich handelt es sich um eine begutachtete Originalpublikation im Fachjournal Biological Conservation, die erstmals die ökonomische Bilanz der staatlich organisierten Bejagung von Wirbeltieren in Frankreich beziffert hat. Für Frankreich beziffert die Studie die jährlichen Jagdkosten auf 103 bis 123 Millionen Euro, während die offiziell gemeldeten Schäden nur 8 bis 23 Millionen Euro betragen.

Muggler begründete die Zürcher Hobby-Jagd damit, dass die Jägerschaft wichtige Dienstleistungen erbringe und dem Kanton bei einer Übernahme dieser Aufgaben Mehrkosten von über zehn Millionen Franken entstünden. Diese Zahl ist nicht neu und nicht belegt. Sie taucht bereits in einem Regierungsratsbericht von 2017 auf und wird seither von Jagdkreisen wie ein Faktum wiederholt, ohne je einer unabhängigen Überprüfung standgehalten zu haben.

Alayan-Ricklin verlangt nun Akteneinsicht, gestützt auf das Öffentlichkeitsprinzip. Sie will Einsicht in das elektronische Wildbuch, in dem die Jägerschaft ihre Abschüsse erfasst, und in die Unterlagen zu einer Informationsveranstaltung, an der die SWILD-Zoologin und Studienhauptautorin Claudia Kistler vor der Zürcher Jägerschaft referierte. Ausgerechnet jene Forscherin, deren Studie den Kanton Zug zur Kehrtwende bewog, sprach damit intern vor der Zürcher Jägerschaft, ohne öffentliche Ausschreibung und ohne Protokoll. Ob die Zürcher Behörde aus derselben Studie andere Schlüsse zieht als der Kanton Zug, wird sich zeigen.

Was die Wissenschaft sagt

Bestandsregulation: Kompensationsmechanismen – höhere Fruchtbarkeit, bessere Überlebensrate, Zuwanderung – gleichen Verluste aus. Selbst der Abschuss von drei Vierteln eines Bestands ist im Folgejahr wieder ausgeglichen (Baker & Harris 2006; Rushton et al. 2006; Kämmerle et al. 2019).

Gesundheitszustand: Der Kanton Luzern erfasst als einziger den Gesundheitszustand erlegter Füchse. Von 2’217 getöteten Tieren hatten nur 39 einen Krankheitsbefund – über 98 Prozent waren gesund. Wer fast ausschliesslich gesunde Tiere erlegt, dämmt keine Krankheit ein.

Fuchsbandwurm: In einer französischen Studie aus dem Raum Nancy (Comte et al. 2017) stieg die Prävalenz trotz hohem Jagddruck von 44 auf 55 Prozent – weil Jungfüchse, die Lücken füllen, eine höhere Wurmbürde tragen. In Luxemburg sank der Anteil nach dem Fuchsjagdverbot 2015 von rund 40 auf unter 10 Prozent.

Genf: Seit 1974 ohne Hobby-Jagd, keine Bestandsexplosion, keine schlechtere Krankheitslage.

Vollständige Studienübersicht: Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere

Warum sich das Anschreiben lohnt

Die Jagdbehörde weicht aus, doch der Kantonsrat mit seinen 180 Mitgliedern kann die Frage auf die politische Tagesordnung setzen. Je mehr Ratsmitglieder die unbeantworteten Fragen erreichen, desto schwerer werden sie zu ignorieren: Auf welcher wissenschaftlichen Grundlage werden in Zürich jährlich rund 2000 Füchse ohne Abschussplanung erschossen? Womit belegt die Verwaltung ihre Kostenbehauptung von über zehn Millionen Franken? Und warum bleibt das Wildbuch, in dem die Abschüsse erfasst werden, der Öffentlichkeit verschlossen?

Der Zuger SWILD-Bericht

Der Kanton Zug hat als bisher einziger Schweizer Kanton auf die Fuchsjagd-Petition von Pascal Wolf mit einer echten wissenschaftlichen Studie reagiert. Die Direktion des Innern gab im Herbst 2025 bei SWILD – Stadtökologie, Wildtierforschung, Kommunikation – einen Fachbericht in Auftrag. Die zweite Version erschien im Mai 2026 und wurde der Jagdkommission am 16. Juni 2026 vorgelegt.

Das Ergebnis ist eindeutig: Die aktuell praktizierte Fuchsjagd kann Bestände nicht nachhaltig regulieren, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht und ist für den Schutz von Nutztieren gegenüber nicht-letalen Methoden unterlegen. Die Erfahrungen aus Genf (seit 1974) und Luxemburg (seit 2015) bestätigen: Wildtiermanagement funktioniert ohne Hobby-Jagd auf den Rotfuchs.

Die vollständige Studie ist öffentlich zugänglich: Wissenschaftliche Grundlagen zur Fuchsjagd

Wo du die Kontaktdaten findest

Der Kantonsrat Zürich hat 180 Mitglieder. Die vollständige Mitgliederliste mit den Kontaktangaben findest du auf der offiziellen Website unter kantonsrat.zh.ch. Am wirksamsten ist oft eine Nachricht an die Fraktionssekretariate der Parteien. Verifiziere die konkrete Adresse vor dem Versand auf der offiziellen Liste.

Was in der Schweiz bisher passiert ist

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📌 Faktencheck: Regierungsrat Zürich zur Jagdinitiative
Warum die unbelegte Zehn-Millionen-Behauptung der Zürcher Jagdverwaltung einer Überprüfung nicht standhält.

📌 Fuchsjagd Zug: Studie belegt Sinnlosigkeit – jetzt handeln
Der einzige Kanton mit einer echten wissenschaftlichen Studie. Kein Regulierungseffekt, kein Beitrag zur Seuchenbekämpfung, nicht-letale Methoden überlegen.

📌 Fuchsjagd Luzern: 98 Prozent der erlegten Tiere gesund
Die kantonseigene Statistik widerlegt die Hauptbegründung für die Fuchsjagd.

📌 Abschaffung der Hobby-Jagd nach dem Vorbild des Kantons Genf
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