22. Juni 2026, 10:08

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Fuchsjagd stoppen – Grosser Rat Bern anschreiben

Der Kanton Bern ist Patentjagdkanton: Zwischen 2’000 und 3’500 Füchse werden hier jährlich erschossen – der grösste Teil landet im Abfall. Am 3. Dezember 2025 reichte GLP-Grossrat Casimir von Arx die Motion 351-2025 ein, mitgetragen von SP, SVP, Grünen, EVP und FDP. Gefordert wurde ein wissenschaftlich begleiteter Feldversuch: Wie wirkt sich ein Verzicht auf die Fuchsjagd aus?

Der Regierungsrat lehnte mit Beschluss vom 6. Mai 2026 ab. Seine Begründung enthält keine einzige Studie. Bemerkenswert: Er räumt selbst ein, die Jagd auf nicht bedrohte Arten wie den Fuchs sei «faktisch ein Selbstzweck» und müsse keinen expliziten Regulationsauftrag erfüllen. Damit bestätigt die Regierung ausgerechnet das, was die Hobby-Jagd öffentlich bestreitet.

Nun entscheidet der Grosse Rat – voraussichtlich in der Herbstsession 2026. Die parteiübergreifende Trägerschaft der Motion zeigt, dass Rückhalt für eine faktenbasierte Überprüfung auch ausserhalb klassischer Tierschutzkreise wächst.

Musterbrief – kopiere diesen Text in dein Mailprogramm

Betreff: Motion 351-2025 Fuchsjagd – bitte stimmen Sie Ja

Sehr geehrte Frau [Name] / Sehr geehrter Herr [Name]

Ich wende mich als Bürgerin / Bürger direkt an Sie, weil der Grosse Rat in der Herbstsession 2026 über die Motion 351-2025 von Grossrat Casimir von Arx (GLP) entscheidet. Die Motion fordert einen wissenschaftlich begleiteten Feldversuch zum Verzicht auf die Fuchsjagd.

Der Regierungsrat räumt in seiner Ablehnungsempfehlung vom 6. Mai 2026 selbst ein, die Jagd auf nicht bedrohte Arten wie den Fuchs sei «faktisch ein Selbstzweck». Das ist ein bemerkenswertes Eingeständnis – und widerlegt das Hauptargument, die Fuchsjagd erfülle einen sachlichen Zweck.

Die Forschungslage ist eindeutig: Der Kanton Luzern, der als einziger Kanton den Gesundheitszustand erlegter Füchse systematisch erfasst, zeigt: Von 2’217 getöteten Tieren hatten nur 39 einen Krankheitsbefund – über 98 Prozent waren gesund. Kompensationseffekte gleichen Abschüsse rasch aus (Baker & Harris 2006; Rushton et al. 2006; Kämmerle et al. 2019). Beim Fuchsbandwurm ist die Jagd sogar kontraproduktiv: Eine französische Studie (Comte et al. 2017) zeigte, dass intensive Bejagung die Prävalenz von 44 auf 55 Prozent erhöhte. In Luxemburg sank sie nach dem Jagdverbot 2015 von rund 40 auf unter 20 Prozent.

Die Tollwut wurde nicht durch die Jagd besiegt, sondern durch Impfköder-Programme ab 1978. Füchse sind natürliche Schutzfaktoren gegen Zeckenkrankheiten: Sie regulieren Mäuse und Nager als Reservoire für Borreliose-übertragende Zecken. Der Kanton Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus – und damit faktisch auch ohne Fuchsjagd: Nur staatliche Wildhüter dürfen dort eingreifen, in den letzten zwei Jahren ohne einen einzigen Regulierungsabschuss. Der Schweizerische Nationalpark ist seit 1914 jagdfrei – ohne Bestandsexplosion, ohne mehr Seuchen.

Kanton Zug hat 2025 als einziger Kanton eine unabhängige Studie zur Fuchsjagd in Auftrag gegeben (SWILD, Mai 2026). Das Ergebnis: Fuchsjagd reguliert nichts, verbessert die Seuchenbekämpfung nicht, nicht-letale Methoden sind überlegen. Die Jagdkommission hat daraufhin die Fuchsjagd nicht mehr proaktiv gefördert.

Der Kanton Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus – und damit faktisch auch ohne Fuchsjagd: Nur staatliche Wildhüter dürfen dort eingreifen, in den letzten zwei Jahren ohne einen einzigen Regulierungsabschuss.

Die Motion verlangt keinen sofortigen Verzicht, sondern einen wissenschaftlich begleiteten Feldversuch. Das ist genau der Schritt, den der Kanton Zug bereits gemacht hat. Ich bitte Sie, der Motion 351-2025 zuzustimmen und damit den Weg für eine evidenzbasierte Fuchsjagdpolitik im Kanton Bern zu eröffnen.

Freundliche Grüsse
[Ihr Name]
[Ihr Wohnort]

Was im Kanton Bern entschieden wurde

Motion 351-2025, eingereicht am 3. Dezember 2025 von GLP-Grossrat Casimir von Arx, mitgetragen von Vertreterinnen aus SP, SVP, Grünen, EVP und FDP. Gefordert: ein zeitlich befristeter, wissenschaftlich begleiteter Feldversuch zum Verzicht auf die Fuchsjagd in einem geeigneten Gebiet.

Regierungsratsbeschluss 446/2026 vom 6. Mai 2026: Ablehnung. Begründung: Der Rotfuchs sei nach dem Jagdgesetz jagdbar und nicht bedroht, Artenschutzgründe griffen nicht. Der Regierungsrat räumt dabei selbst ein, dass die Hobby-Jagd auf nicht bedrohte Arten «faktisch ein Selbstzweck» sei und keinen expliziten Regulationsauftrag erfüllen müsse. Erstunterzeichner von Arx kritisierte öffentlich im Radio BeO, die Regierung gehe am eigentlichen Anliegen vorbei.

Bern ist Patentjagdkanton: Wer ein Patent löst, darf im gesamten Kantonsgebiet jagen, ohne Verantwortung für ein bestimmtes Revier. Jährlich werden 2’000 bis 3’500 Füchse erlegt, der grösste Teil landet im Abfall. Entscheid liegt nun beim Grossen Rat, voraussichtlich Herbstsession 2026.

Was die Wissenschaft sagt

Bestandsregulation: Kompensationseffekte gleichen Abschüsse rasch aus. Selbst intensive Bejagung zeigt keinen nachhaltigen Effekt auf den Bestand (Baker et al. 2002; Kämmerle et al. 2019; Rushton et al. 2006).

Tollwut: Nicht die Jagd, sondern Impfköder-Programme ab 1978 haben die Tollwut besiegt. Letale Methoden können Seuchen verstärken, weil bejagde Tiere mobiler werden.

Fuchsbandwurm: Intensive Bejagung erhöht die Prävalenz (Comte et al. 2017, Raum Nancy). Entwurmungsköder hingegen senkten das Infektionsrisiko im Landkreis Starnberg um 97 bis 99 Prozent. In Luxemburg sank die Prävalenz nach dem Jagdverbot 2015 von 40 auf unter 20 Prozent.

Borreliose: Füchse regulieren Nager als Zecken-Reservoire. In Gebieten mit höherer Beutegreifer-Aktivität treten 10–20 Prozent weniger zeckentragende Nager auf (Hofmeester et al., Proc. Royal Soc. B). Die Schweiz zählt beim Fuchsbandwurm zu den europäischen Hotspots.

Genf / Nationalpark: Genf kommt seit 1974 ohne Hobby-Jagd aus – und damit faktisch auch ohne Fuchsjagd. Der Schweizerische Nationalpark ist seit 1914 jagdfrei. Keine Bestandsexplosionen, keine schlechtere Krankheitslage.

Vollständige Studienübersicht: Studien: Auswirkung der Hobby-Jagd auf Wildtiere

E-Mail-Adressen Grosser Rat Bern (Legislatur 2022–2026)

Die offiziellen Kontaktdaten der Berner Grossrätinnen und Grossräte sind über die kantonale Website abrufbar: gr.be.ch – Mitglieder. Die E-Mail-Adressen haben die Form vorname.nachname@gr-gc.be.ch.

Was im Kanton Bern bisher passiert ist

📌 Fuchsjagd: Berner Regierung will Evidenz nicht prüfen
Der Regierungsrat lehnt die Motion ab – und bestätigt dabei unfreiwillig, dass die Fuchsjagd ein Selbstzweck ist.

📌 Hobby-Jäger als falsche Wildtierexperten
Wie Pascal Wolf in über 12 Kantonen Petitionen und Vorstösse initiierte – und was die Behörden daraus machten.

📌 Millionenfach getötet – für nichts: Neue Studie entlarvt Jägerlatein
Studie in «Biological Conservation»: Abschüsse senken weder Populationen noch Schäden.

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